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Hammer 5/2002

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                                 Das  letzte  Aufbäumen?

Mit seinem Album UNHOLY TERROR nahm W.A.S.P.-Chef BLACKIE LAWLESS

gedanklich ein Ereignis vorweg, das die Welt verändern sollte. Passiert ähnliches

mit seinem neuen Werk?

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Die Nachricht ereilte uns wie ein Blitz aus heiterem kalifornischen Himmel: Blackie Lawless sei bereit, Einblicke in das neue Album DYING FOR THE WORLD zu gewähren, an dem er momentan mit seinen Weggefährten Darell Roberts(g), Mike Duda(b) und Frankie Banali(d) bastelt. Also auf zu Schwarzis Residenz nach Topanga, einem Vorort nördlich des um die zehn(oder zwölf, so genau wissen es die Angelinos selbst nicht) Millionen Einwohner zählenden Molochs Los Angeles.

Am Ort des Geschehens erweist sich der Tausendsassa wieder einmal  als Allround-Talent, das die Fäden der Produktion fest in seinen Händen hält: Aufnahmen und Mix gehen vonstatten unter seiner strengen Aufsicht im eigenen ,immer noch namen- losen  Studio, keine 50 Meter entfernt von malerischen, im indianischen Stil gehaltenen Wohnkomplex, der wie ein Adlernest den steilen Abhang des Topanga Canyons überragt. Zwar besitzt der Mann immer noch das im Herzen Hollywoods gelegene Fort Apache-Studio, in dem das Gros der W.A.S.P.-Frühwerke eingespielt wurde, doch diese Örtlichkeit dient derzeit als Schmiede für kommerzielle Clips wie Werbespots und Filmmusiken. Darüber hinaus wurde das Fort mit modernem Schnickschnack aufgerüstet -und  ist somit dem Gesetzlosen seit Jahren nicht besonders dienlich, kompromisslos dem analogen Spleen zu frönen:” Du wirst lachen, ich habe sogar damit angefangen,meine Vinylsammlung wieder neu aufzubauen!” Zum Lachen ist mir- einem Führerscheinbesitzer fast ohne Fahrpraxis und noch dazu mit ausgeprägter Höhenangst gesegnet- allerdings angesichts der zurückliegenden Fahrt, die mich die schmalen, teilweise unbefestigten Serpentinen den Steilhang hinauf zum Lawless´schem Anwesen führte, im Moment wirklich nicht zumute. Das kann ja noch kommen...

 Inzwischen parliert der Meister über seine Technik-Philosophie:” Meistens heißt es, die Computer- gestützten Aufnahmen würden mechanisch und kalt klingen. Gut, mittlerweilen existiern Programme zum `Aufwärmen´ der Daten auf der Festplatte. Als problematisch erweist sich aber die digitale Phasenverschiebung, bei der die Flanken der Null/Eins- beziehungsweise Low/High-Übergänge sämtlicher Spuren nicht exakt zur selben Zeit beginnen und sich zu einer Art digitaler Verzerrung summieren. Die Entwicklung einer entsprechenden Software zur Kompensierung- zum Beispiel in Form von World Clock- steckt noch in den Knderschuhen.

Bei einem Tape gibt es diese Schwierigkeiten nicht: Alle Spuren sind fixiert , da `verrutscht´ nichts. Deswegen habe ich mir eine 2-Inch-Bandmaschine zugelegt- quasi den Rolls Royce unter derartigen Geräten. Lediglich zum Tarieren der Balance der Gesänge nehme ich die digitalen Dienste von Pro Tools in Anspruch. Selbst wenn die ganze Welt auf Digitalisierung setzt- ich nicht!

Einzig das Band lügt nicht!” Nun ja, schießen wir da nicht ein wenig mit Kanonen auf Spatzen? Egal, wie gut die heimische HiFi-Anlage konfiguriet sein mag- der Otto-Normal-Konsument,der meistens nebenbei Musik hört und dazu in seiner guten Stube getreu den Motto “Ficken,Fummeln,Fenster putzen” herumhirscht, merkt davon selbst bei voller Lautstärke nichts. Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass derjenige, der da Unterschiede heraushören sollte, reif für `Wetten,dass...?´ ist.”Okay, ich verfüge über ein äußerst trainiertes Gehör” , verteidigt der Schwarzkopf seine These unnachgiebig.” Voll bewusst wurde mir das aber, als ich per Zufall den direkten Vergleich von der Beatles- Schallplatte REVOLVER mit der CD-Neuausgabe anstellte. Unter Kopfhörern merkst du schnell, dass da Welten zwischen liegen und welche gigantischen akustischen Vorzüge das große schwarze Rund garantiert! Zum Beispiel die räumlichen Klangtiefen, die mit digitalen Speichermedien nicht erzielbar sind...”

Selbst den Nachteil des langsameren Zugriffs auf die auf magnetisch Beschichtetem gespeicherten Daten lässt der Zwei-Meter-Hüne nicht gelten:” Die Arbeiten dauerten jetzt nur deshalb so lange, weil ich alle Prozeduren alleine bewältige: die des Toningenieurs, Produzenten, Song-Schreibers und natürlich Musikers. Und dann noch aus dem Grund, weil ich zwei Scheiben gleichzeitig aufnehme: neben der regulären Platte noch ein Konzeptalbum. Was danach kommt und ob ich dann noch etwas als Künstler zu sagen habe, weiß ich nicht. Möglicherweise werde ich nach diesen Veröffentlichungen auf unbestimmte Zeit pausieren...” Das klingt nach einem letzten Aufbäumen und genauso wenig optimistisch wie die ersten Extrakte aus DYING FOR THE WORLD. Sie sind äußerst melancholisch, düster, partiell doomig, aber auf jeden Fall ungewonht heavy ausgefallen.” Immer wenn ich extrem böse und aggressiv drauf bin, liefere ich eine unheimlich harte Platte ab”, gesteht der Wüterich mit tiefer dämonischer Stimme.” Das war schon mit HEADLESS CHILDREN , und das passiert mir jetzt wieder. DYING FOR THE WORLD könnte sich daher zur wahrscheinlich extremsten CD mausern, die ich je gemacht habe.”

Oh je- mir graut´s schon. Nicht wegen eines etwaigen Gewaltausbruchs des schwarzen Mannes in meine Richtung oder den eventuell unerträglichen Härtegrads des Objektes unserer kommenden Begierde (Wie heißt es doch gleich?” Ist es zu hart, bist du zu schwach!”), sondern hinsichtlich der bevorstehenden Rückfahrt. Und die Abenddämmerung offenbart die Notwendigkeit der Klärung einer weiteren existenziellen Frage:Wo zum Teufel befindet sich an diesem Scheiß-Mietwagen der Schalter für die Scheinwerfer?

 

                                                                                                                                                        Bericht von Andreas Schöwe